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Von DÖRTE RAHMING, Rostock (OZ)
Jeder kann malen lernen, sagt Max Struwe. Oder kann es wenigstens versuchen.
Also sitzen die Freizeit-Künstler an einem sonnigen Abend am Schwanenteich
mitten in Rostock, vor sich auf den Knien ein weißes Blatt, in der
Hand einen dicken Pinsel, und schauen auf Wiese und Bäume. Motive,
wohin das Auge blickt.
Am Anfang ist das Wasser: Der dicke Pinsel verteilt es auf dem Aquarellpapier.
Gleichmäßig und nicht zu nass, es soll keine Pfütze stehenbleiben.
Dann greifen die Schüler zum feineren Pinsel - seine Spitze fängt
etwas Rot aus dem Kasten, tippt auf die Wasserfläche, und ein roter
Stern geht auf. Die Spitze fährt von links nach rechts ein roter
Faden zieht sich über das Blatt.
"Lavieren" nennt der Künstler das Verfahren, also Malen
auf nassem Untergrund. Blüten werden so dargestellt oder Wiesen.
Für Details eignet sich mehr das Lasieren also das Malen auf trockenem
Papier. In gleichmäßigen Streichbewegungen fahrt der Pinsel
über das Blatt. Die Farben mischen sich so von selbst. Malen ist
auch Handwerk, Technik. Max Struwe ist ein Künstler, das Handwerk
beherrscht er perfekt. Der 53-Jährige hat an der Kunsthochschule
in Karlsruhe studiert, war Meisterschüler bei Otto Zirk. Lange Jahre
hat er sich der Architektur gewidmet, Nun bietet er seit sieben Jahren
Mal- und Zeichenkurse an. Während der Sommersaison sitzt der Künstler
fast jeden Tag mit Gruppen von maximal zehn Malbegeisterten an besonders
schönen Orten von Mecklenburg-Vorpommern. "Die schöne Gegend
bietet sich geradezu an - Boddenlandschaften, reetgedeckte Häuser,
Kraniche, weite Wiesen, das Meer", schwärmt Struwe. "Die
Leute sind in Urlaubsstimmung. Ich bin den ganzen Tag draußen und
tue das, was mir am liebsten ist. Etwas Schöneres kann ich mir nicht
vorstellen."
Diese Begeisterung springt auf die Kursteilnehmer über. Fasziniert
lassen sie Blau und kaltes Gelb zu einem Grünton verschmelzen. Ein
Tupfer warmes Rot dazu - der Baum im Hintergrund wird olivgrün.
"Die Blätter sind oben heller als unten, seht ihr?" Max
Struwe schaut seinen Schülern auf die Blätter, gibt Ratschläge
und kommt auch schon mal mit seinem Pinsel aufs benachbarte Papier. Malen
fördert genaues Hinschauen. Licht und Schatten, Flächen und
Linien sind die wichtigsten Gestaltungsmittel. Es soll nicht so aussehen
wie auf einem Foto, künstlerische Freiheit ist er wünscht. "Man
muss das Wesentliche erkennen und sich darauf konzentrieren", sagt
Max Struwe. "Gegensätze geben dem Bild die Spannung, die Kraft."
Beim Aquarellmalen liegt die Staffelei flach. Warum das so ist, erschließt
sich auch dem Laien sofort: bei Vorwendung von viel Wasser würden
die Farben ansonsten schnell nach unten verlaufen. Wenn der Maler sein
Werk im Ganzen betrachten will, muss er aufstehen, vielleicht das Blatt
auf den Fußboden legen. "Bei großen Aquarellen steige
ich auch schon mal auf einen Tisch oder Stuhl, um die Wirkung mit Abstand
zu prüfen", erzählt Max Struwe. Die Hobby-Maler hören
zu, probieren, fragen der Künstler guckt, lobt, hilft, motiviert.
Struwe teilt seine Kunden ist zwei Gruppen ein. Die einen haben schon
Mal-Erfahrung. Die anderen kommen ohne Vorkenntnisse. "Mit denen
arbeite ich besonders gerne", sagt der Maler. "Nie kann man
jemandem in so kurzer Zeit so viel beibringen und so viel Erfolg bescheren."
In jedem Jahr entscheidet er neu, an welchen Orten entlang der mecklenburgischen
Ostseeküste er seine Kurse anbietet. In diesem Jahr lädt er
seine Schüler nach Prerow, Zingst. Rostock und Heiligendamm ein.
Und nach Ahrenshoop. Der Künstlerort auf dem Darß ist immer
dabei "dort gibt es ein tolles Atelier, so dass wir auch mal drinnen
arbeiten können", sagt Struwe.
Manche Gruppen finden sich nicht nur für ein paar Stunden zusammen,
sondern für mehrere Tage. Und im Winter reist Struwe mit seinen Eleven
auf die Blumeninsel Madeira oder an die türkische Ägäis.
Die meisten Teilnehmer sind Frauen. Viele von ihnen haben schon gemalt
oder entdecken diese Kunst gerade für sich. Aber auch Männer
sitzen an der Staffelei.
Jetzt kommt das Schwierigste: der Himmel. Welches Blau eignet sich? Das
Aquamarin ist zu tintig, so sieht ein Himmel nicht aus. Türkis ist
kitschig. Also noch einen Tupfer Helium-Blau dazu - die Farbe kommt der
Natur schon nahe. Nur ein Strich aufs Blatt, dann mit dickem Pinsel Wasser
drauf schaufeln und verteilen.
Das nächste Hilfsmittel: ein Zellstofftaschentuch. Eine Ecke verknüllen
und ganz vorsichtig über den Himmel ziehen. Ganz leicht drücken
so lassen sich Wolken gestalten.
Die Farben auf den Blättern sind getrocknet richtige Aquarelle. Bei
manchem könnten die Bäume auch Büsche sein aber Spaß
und Faszination waren groß. Irgendwie kann vielleicht wirklich jeder
malen lernen. Infos: vvww.palette-ostsee.de (0381)2002366
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